Das Jahr nähert sich dem Ende und ich fühle mich schuldig. Schuldig, dass ich meinen Blog so lange nicht bespielt habe obwohl ich mir das fest vorgenommen hatte. Viel ist passiert in diesem Jahr, einiges unerwartet das meiste vor allem sehr zeitraubend. Doch ich habe ja noch ein wenig Zeit für ein Update bevor sich 2019 dem Ende neigt.

Im wesentlichen möchte ich mich auf zwei Dinge beschränken, die im zweiten Halbjahr diesen Jahres am meisten Eindruck hinterlassen haben. Als erstes ist da natürlich etwas aus dem Bereich der Fotografie, wie überraschend. Einmal mehr hat es mich dieses Jahr wieder nach Budapest verschlagen. Freunde besuchen und Fotos machen, klingt einfach und das war es auch. In diesem Jahr habe ich allerdings Fotos geschossen, die womöglich immer in Erinnerung bleiben werden und mit absoluter Sicherheit in irgendeiner Form als Druck auf Papier enden werden. Wer mich kennt, weiß dass mich mit Dorka mehr als nur die Fotografie verbindet. Wir kennen uns seit fast fünf Jahren und irgendwie wird unsere Verbindung von Jahr zu Jahr stärker, gleiches gilt für die crazyness 🙂 In 2017 hatte sie mich gefragt ob ich mit ihr Schwangerschaftsfotos machen würde, eine Herausforderung die ich sehr gerne angenommen habe. Ich war damals schon begeistert, weil es so ganz anders war als das was ich sonst so fotografiert hatte. Nun, in 2019 war es wieder soweit. Diesmal allerdings war die ganze Familie bei mir vor der Kamera. Wie immer hatten wir nicht wirklich einen Plan und haben es einfach mal laufen lassen. Manche sagen „Ihr seid soooo bekloppt“ wenn sie merken was Dorka und ich dann auf die Beine stellen, aber bei uns funktioniert Freilauf und Spontaneität am besten. Ich lasse einfach mal ein paar Eindrücke da, ich denke ihr werdet verstehen was ich meine und warum ich diese Fotos so liebe.

Das zweite „grosse Ding“ bei mir ist, dass ich mich endlich entschieden hatte einer weiteren Leidenschaft mal ordentlich und konsequent nachzugehen. Mein Umfeld weiß natürlich schon worum es geht, für alle anderen hier einer der wichtigen Gründe (neben anderen) warum ich mich fotografisch sehr zurück genommen habe. Nach ca. 15 Jahren des ewigen Hin und Her habe ich den Entschluss gefasst nun doch endlich meine Privatpilotenlizenz (PPL-A) zu machen und mit der Ausbildung begonnen. Im folgenden Text teile ich einige Erinnerungen und Erfahrungen der vergangenen Monate mit Euch.

Am Anfang steht einiges an administrativen Dingen auf dem Plan. Formulare, Anträge, medizinische Untersuchungen, Sprechfunkzeugnis und dann erstmal gaaaaaanz viel Theorie lernen bevor man das erste mal ins Cockpit steigt. Ok, das Einsteigen war jetzt nicht ganz so neu für mich aber die Sitzposition sehr wohl – man sitzt LINKS! Links bedeutet in dem Stadium man ist jetzt offiziell Flugschüler und hat alle Kontrollen und Instrumente zu betüdeln 🙂

Die erste Ernüchterung kommt dann direkt bei den ersten Übungen am Boden. Ich fahr seit +30 Jahren Auto, aber die Cessna 172 von A nach B rollen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit 🙂 Man lenkt am Boden mit den Pedalen, wie man aus der Theorie weis. Der Kopf ist aber konditioniert und will Richtungsänderungen wie im Auto durchführen, also mit den Händen – hat nur leider Null Wirkung im Flugzeug am Boden. Somit ist glaub ich für jeden Aussenstehenden sofort erkenntlich wenn man die erste Flugstunde hat. Es ist das Flugzeug welches völlig chaotische Bewegungen macht.

Hat man es dann geschafft, mit reichlich Unterstützung des Fluglehrers, auf die Piste zu kommen folgt recht schnell der Moment an dem man nochmal tief durchatmet und dann Vollgas gibt. Hier merkt man unmittelbar wer in den folgenden Stunden Dein größtes Feinbild sein wird … wieder die PEDALE 🙂 Auch diese wollen wieder bedient werden um die Maschine auf der Piste zu halten und wie ihr Euch denken könnt, siehe oben. Hat man es dann geschafft, wieder mit viel Hilfe des Fluglehrers, ein paar Sekunden zu beschleunigen geht es mit ca. 150 KM/h in die Lüfte und was soll ich sagen … es ist einfach nur umwerfend. Gut, war es all die Jahre vorher auch, aber von LINKS ist eben doch eine andere Liga. Sowohl die Aussicht als auch die Erfahrung wie verloren man da oben ist. Nichts sieht von oben so aus wie aus dem Auto und spätestens nach drei Kurven ist man „lost“. Erwähnte ich, dass es gut ist einen Fluglehrer an der Seite zu haben? 🙂 Man lernt dann die „Grundrechenarten“ des Fliegens kennen und dann kommt der Gedanke, dass man ja auch irgendwann mal wieder runter muss. Hier wird man dann auch nicht geschont und soweit involviert wie es geht. Natürlich erfolgt die erste Landung wieder unter erheblicher Unterstützung des Fluglehrers aber man hat zumindest das Gefühl man war nicht ganz unbeteiligt an der Landung. Die Idee im Herbst mit der praktischen Ausbildung zu starten mag aufgrund des luftigen Wetters nicht sofort sinnig erscheinen. Ich kenne eigentlich bisher kaum „ruhiges“ Wetter muss aber allerdings sagen, dass die Entscheidung gut war. Ja, zu Anfang ist alles etwas schwieriger und anstrengender, aber es bereitet einen dafür auch besser vor auf das was kommen kann.

Im weiteren Verlauf der nächsten Stunden vertieft man dann die Basics und der Fluglehrer lehnt sich immer weiter zurück. Dann kommt wohl der markanteste Punkt der gesamten Ausbildung – DER ERSTE SOLOFLUG. Richtig gelesen, man fliegt alleine und das bevor man die Prüfung bestanden hat. Ganz anders als beim Autoführerschein damals und zusätzlich auch noch deutlich früher. Bei mir war „der Solo“ nach knapp 12h im Cockpit und etwa 60 Landungen dran. Die Entscheidung wird individuell durch die Fluglehrer getroffen und wenn mindestens zwei Lehrer bescheinigen, dass man sich „frei fliegen“ darf dann kommt der Tag an dem der Fluglehrer (meistens ohne vorherige Ankündigung) einfach mal aussteigt und Dich hoch schickt. In den folgenden 6-8 Minuten spielte sich bei mir folgendes ab:

Köttel will Richtung Hose – Rollen zur und auf die Piste – Durchatmen und Vollgas – Köttel geht langsam wieder rein – Platzrunde fliegen so wie man es vorher so oft verinnerlicht hat – die Landebahn kommt näher – Aufsetzen  – YEEEEEEEAAAAAAAHHHH !!!

Nach drei Platzrunden alleine im Cockpit höre ich auf, weil sich die Windverhältnisse über mein persönliches Sicherheitsgefühl hinaus verschlechtert hatten. SAFETY FIRST! Abrollen, Maschine abstellen und dann erstmal Flugschülerkollegin Mella, die gerade ihre Maschine checkte, eine Umarmung geklaut. Dann kamen weitere Kollegen und zwei meiner Fluglehrer dazu. Es folgten einige rituelle, saftige Schläge auf den Hintern und ich bekam den vereinsüblichen Schlüsselanhänger überreicht. Mein Polo wurde glücklicherweise nicht zerschnitten.

Ich habe jetzt ein gutes Drittel der Mindestflugstunden absolviert und bin verblüfft wie schnell das auf einmal alles geht. Mein initiales, aber auch sehr weiches Ziel die Lizenz bis zu meinem Fünfzigsten zu haben ist gar nicht so unrealistisch. Allerdings ist es auch völlig egal wenn es länger dauert. Ich habe es nicht eilig und muss kein Wettrennen gewinnen. Es werden noch viele wichtige Themen kommen und die wollen alle ordentlich gelernt und verstanden sein, so dass viele tolle und sichere Flüge kommen können. Ich hänge Euch mal ein 12 minütiges Video für die Kaffeepause ran, vielleicht interessiert es ja den ein oder anderen wie sowas aussieht wenn der alte Mann … IN DIE LUFT GEHT

Ihr Lieben, das war es für dieses Jahr. Euch allen viel Glück, Gesundheit und Erfolg für 2020!

Wir lesen uns 😉